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Paul
Captain Paul Watson, founder of the Sea Shepherd Conservation Society.
Photo: Mike Mulle
An meine Freunde und Unterstützer,
ich halte mich gegenwärtig an einem Ort auf diesem Planeten auf, an dem ich mich wohl fühle, einem sicheren Ort weit weg von den intriganten Nationen, die vor der Ausbeutung unserer Meere die Augen verschließen.
Die deutsche Regierung sagte, ich habe mit dem Verlassen Deutschlands ihr Vertrauen mißbraucht, doch da hatte sie schon mein Vertrauen mißbraucht. Die deutschen Politiker hatten bereits eine politische Entscheidung gefällt, bevor das deutsche Gericht zu einem Entschluß kam, und während meines Arrests in Deutschland haben die Japaner mit Deutschland die Einreichung eines Auslieferungsbefehls an Japan ausgehandelt, auf der Grundlage fingierter Beweise, die von dem ehemaligen Sea Shepherd-Crewmitglied Pete Bethune geliefert wurden.
2010 hatte das japanische Schiff Shonan Maru #2 absichtlich die Ady Gil gerammt und zerstört und dabei beinahe 6 Menschen getötet. Der japanische Kapitän war nicht einmal verhört worden, die Schäden wurden niemals bezahlt, es wurde keinerlei Anklage erhoben und sie nahmen den Kapitän der Ady Gil, Pete Bethune, mit zurück nach Japan. Dort kooperierte er und bot der japanischen Küstenwache falsche Beweise an, um mir die Schuld für das Enterunterfangen zu geben, trotz der Kameradokumentation von Bethune, dass ich ausdrücklich vom Entern abgeraten hatte.
Wir haben die japanische Walfangindustrie mehrere Millionen Dollar gekostet und im Oktober 2011 wurde ihnen eine Kriegskasse von gut dreißig Millionen Dollar unterschlagener Gelder aus dem Tsunami-Hilfsfonds zur Verfügung gestellt, um Sea Shepherd zu bekämpfen. Mit diesem Geld haben sie die Sicherheitsvorkehrungen auf See verstärkt, zivilrechtliche Klagen gegen uns bei U.S.- Gerichten eingereicht, und sie haben recherchiert, wo wir irgend angreifbar sein könnten.
Und die eine Möglichkeit, die sie fanden, war der ein Jahrzehnt alte Vorfall, der sich 2002 in guatemaltekischen Gewässern ereignete. Diese Anklage beinhaltet lediglich die Behinderung eines costa-ricanischen Langleinenfischers mit Wasserschläuchen. Es war eine Aktion, die mit der Genehmigung der guatemaltekischen Regierung stattfand und sie richtete sich gegen die vollständig dokumentierte, illegale Sharkfinning-Operation, die auch für den preisgekrönten Dokumentarfilm "Sharkwater" aufgenommen wurde. Sie richtete sich gegen ein Schiff, das nur ein Jahr zuvor wegen Sharkfinnings in den Gewässern des Meeresschutzgebiets des Nationalparks von Galapagos verurteilt worden war, wo unser Schiff, die Sirenian, geholfen hatte, es aufzugreifen.
Japan hat bereits früher versucht, mich von Interpol festnehmen zu lassen, damals für den Zwischenfall mit Bethune, doch Interpol wies ihre Forderung nach einer ‚red notification' zurück und ließ lediglich eine ‚blue notice' zu, was bedeutet, dass Länder meine Reisewege nach Japan melden, mich aber nicht inhaftieren können.
Im Dezember traf sich die Präsidentin von Costa Rica mit dem Premierminister von Japan. Im November 2011 habe ich am Hamburg Film Festival teilgenommen, ohne in Deutschland verhaftet zu werden. Im März reiste ich ohne Zwischenfälle nach Spanien und Frankreich. Doch im Mai 2012 wurde ich auf der Grundlage eines Auslieferungsersuchens von Costa Rica in Deutschland festgenommen. Und ich fand heraus, dass Costa Rica, genau wie Japan, eine Interpol-Anzeige hatte ausstellen lassen, und dass Interpol diese Anfrage letzten Endes fallen gelassen hatte.
Deutschland jedoch, ein Land ohne Auslieferungsvertrag mit Costa Rica oder Japan, entschied, mich auf der Grundlage dessen festzunehmen, was sie als bilaterales Abkommen mit Costa Rica bezeichnen. Das erweckte prompt die Aufmerksamkeit Japans, und sie begannen Verhandlungen, in denen sie sich mit ihrer Forderung nach meiner Auslieferung direkt an Deutschland wandten. Dieser Forderung Japans wurde von Deutschland am 23. Juli 2012 zugestimmt. Ich wurde am 22. Juli von verlässlichen Quellen davor gewarnt.
Was Costa Rica anging, hatte ich die Beweise auf Film und mit zwei Dutzend Zeugen war ich zuversichtlich, diesen Fall gegen die Anschuldigung der Haifischflossen-Wilderer gewinnen zu können. Meine einzige Sorge war, dass Costa Rica mich dann nach Japan aushändigen würde. Doch was Japan angeht, so ist absolut sicher, dass ich, einmal in japanischer Gefangenschaft, nie mehr freigelassen werden würde.
Diese Gewißheit bedeutete, dass es nur eine Möglichkeit geben konnte: ich traf die Entscheidung, Deutschland umgehend zu verlassen.
Es erscheint mir absurd, dass in all den Jahren, in denen ich Kampagnen zum Schutz und der Erhaltung der Meeresfauna durchführe, wobei ich keinem Menschen eine Verletzung zugefügt habe und nur gegen illegale Vorgänge, wie sie durch internationale Umweltschutzgesetze festgelegt sind, vorgegangen bin, Japan nun Anschuldigungen gegen mich vorbringen kann. Das, nachdem es ein zwei-Millionen-Dollar-Schiff zerstört, ein Mitglied der Schiffbesatzung verletzt und fünf weitere beinahe umgebracht hat.
Ich bin im höchsten Maße enttäuscht von der deutschen Regierung. Für mich ist es offensichtlich, dass die deutsche Regierung mit Japan und Costa Rica konspiriert hat, um mich festzusetzen, sodass ich an die Japaner ausgeliefert werden könnte. Für mich ist klar, dass sie die politische Entscheidung, mich den Japanern zu übergeben, sogar trafen, bevor eine gerichtliche Entscheidung gefallen war. Alle Menschen in Deutschland, denen ich begegnet bin, unterstützten die Arbeit, die ich tue. Ich bin weder auf den Straßen, vor Gericht, in den Medien oder bei irgendeiner der Veranstaltungen und Präsentationen, an denen ich teilnahm, einer einzigen kritischen Stimme begegnet. Selbst die Polizei und die Mitglieder des Gerichts waren unterstützend.
Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich in Deutschland erhalten habe und besonders die von den mitfühlenden Quellen, die mich mit der Information über die getroffenen Entscheidungen und die ausstehende Entscheidung versorgten, dass das japanische Auslieferungsgesuch angenommen werden solle, sobald ein Gerichtsbeschluß bei ihnen auf dem Tisch liege.
Es ist nie wirklich um Costa Rica gegangen. Es ging die ganze Zeit über um Japan.
Wir haben die japanischen Walfänger nun acht Jahre konfrontiert und wir haben sie auf See gedemütigt und, am wesentlichsten, wir haben ihre illegale Geschäftemacherei mit der Abschlachtung der Wale im antarktischen Walschutzgebiet vereitelt.
Hier geht es nicht um Recht und Gesetz; hier geht es um Rache. Es geht um eine kleine Gruppe hingebungsvoller Freiwilliger, die sich einer wirtschaftlichen Supermacht und einem Multi-Millionen-Dollar-Walwilderer-Unternehmen in einem Walschutzgebiet entgegenstellen. Es geht darum, den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik die Wahrheit zu sagen.
Costa Rica und Deutschland waren lediglich Bauernopfer in dem Bestreben Japans, Sea Shepherd ruhig zu stellen und zu versuchen, unserem alljährlichen Widerstand gegen ihre illegalen Walfangaktivitäten Einhalt zu gebieten.
Ich weiß, die walschlachtenden Wilderer aus Japan werden weiterhin alle Möglichkeiten ausloten, um einen Weg zu finden, mich auszuschalten. Ich bin ihnen allerdings wieder einmal entkommen und ich werde weiter versuchen, ihnen stets einen Schritt voraus zu sein, egal, welche Risiken und Kosten das fordert.
Ich kann meinen Schutzbefohlenen auf hoher See besser zu Diensten sein als in einer japanischen Gefängniszelle und ich habe vor, genau das zu tun. Im Dezember werden unsere Schiffe zur neunten Kampagne gegen die gesetzlosen japanischen Walwilderer im arktischen Walschutzgebiet aufbrechen. Die Kampagne wird den Namen Operation Zero Tolerance tragen und wir werden wieder den nötigen Einsatz erbringen und unsere Schiffe und unser Leben aufs Spiel setzen, um diese Räuber der Meere bei ihrer erbarmungslosen Abschlachtung der sanften Meeresriesen zu stoppen.
Ich danke Euch für Eure unermüdliche Unterstützung,
Captain Paul Watson
Aktion


Uvuyo
"Anton"
Hurra - Anton lebt!!!


SeeSheperd
Paul Watson NEWS
 
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Betreff: PRESSEMITTEILUNG

KONTAKT:
Sea Shepherd U.S. Headquarters: 1-360-370-5650, media@seashepherd.org
Lisa Agabian, Sea Shepherd U.S. Headquarters / Los Angeles: (310)
422-6106, lisa@seashepherd.org

Anwalt von Paul Watson bestätigt: Der Aktivist hat Deutschland verlassen

Meeresschützer, Gründer von Sea Shepherd und Star der TV-Show ?Whale Wars? steht nicht mehr unter Hausarrest; Sea Shepherd hat erfahren, dass Japan ebenfalls beabsichtigen könnte, Watson auszuliefern

FRIDAY HARBOR, Washington, 25. Juli 2012 ? Nach dreitägiger Spekulation über seinen Aufenthaltsort hat der deutsche Rechtsbeistand
von Captain Paul Watson bestätigt, dass der Meeresschützer, Gründer der Sea Shepherd Conservation Society und Star der beliebten
TV-Doku-Serie ?Whale Wars? Deutschland verlassen hat und sich an einem unbekannten Ort aufhält.

?Captain Watsons Anwalt berichtet, dass er Deutschland verlassen hat?, sagte Susan Hartland, Verwaltungsdirektorin von Sea Shepherd. ?Dank
einer glaubwürdigen Quelle haben wir Grund zu der Annahme, dass die japanische Regierung die Auslieferung von Captain Watson nach Japan
beantragt hätte, sobald er sich erst einmal in Costa Rica aufhalten würde. Dort müsste er sich dann wegen der Behinderung des illegalen
Walfangs im antarktischen Walschutzgebiet verantworten. Wir haben keine weitergehenden Informationen und stehen nicht in Kontakt mit
ihm. Wir tun unser Bestes, um Einzelheiten zu liefern, sobald wir mehr erfahren. Wir werden alle Informationen veröffentlichen, sobald wir
sie erhalten und ihren Wahrheitsgehalt geprüft haben.?

Captain Watson wurde 70 Tage lang in Deutschland festgehalten, obwohl sich die Öffentlichkeit, Prominente, Politiker und andere Koryphäen in tausenden Protestbriefen an das deutsche Justizministerium für seine Freilassung ausgesprochen haben. Er wurde am 13. Mai in Frankfurt auf dem Weg nach Cannes in Frankreich wegen einem 10 Jahre alten Haftbefehl aus Costa Rica festgenommen. Er wurde in Deutschland zur
Auslieferung an Costa Rica wegen eines mutmaßlichen ?Eingriffs in den Schiffsverkehr? festgehalten, der im Jahr 2002 bei Dreharbeiten zu der
preisgekrönten Dokumentation ?Sharkwater? stattfand. Zu diesem Vorfall kam es auf offener See in guatemaltekischen Gewässern, als Sea
Shepherd auf illegale Haiwilderer stieß, die mit einem costa-ricanischen Schiff, der Varadero, auf Jagd waren. Auf Befehl der guatemaltekischen Behörden gab Sea Shepherd den Besatzungsmitgliedern der Varadero die Anordnung, das Shark Finning einzustellen und zurück zum Hafen zu fahren, um sich dort der Strafverfolgung zu stellen. Während die Varadero zurück in den Hafen eskortiert wurde, wendete sich das Blatt und ein guatemaltekisches Kanonenboot wurde ausgesandt, um die Sea Shepherd Crew abzufangen. Um dem Kanonenboot aus Guatemala zu entgehen, nahm Sea Shepherd daraufhin Kurs auf Costa Rica, wo die Crew dann sogar noch mehr illegale Shark Finning-Aktivitäten in Form von tausenden getrockneten Haifischflossen auf den Dächern von Industriegebäuden aufdeckte.

Mitteilung an die Presse: Falls Sie auf unsere Liste gesetzt werden wollen, um mit Captain Paul Watson ein Interview zu führen, wenn er wieder verfügbar ist, mailen Sie bitte an media@seashepherd.org und geben ihre Telefonnummer an. Betreff: ?Captain Watson Interview Request.? Wir werden dann wegen der Terminplanung so bald wie möglich mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

Über die Sea Shepherd Conservation Society
Die Sea Shepherd Conservation Society (SSCS), gegründet 1977, ist eine internationale, gemeinnützige Naturschutzorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zerstörung von Lebensräumen und das Abschlachten von Wildtieren in den Weltmeeren zu beenden, um Ökosysteme und Arten zu erhalten und zu schützen. Sea Shepherd wendet innovative Taktiken der Direkten Aktion an, um zu ermitteln, zu dokumentieren und wenn nötig einzugreifen, um illegale Aktivitäten auf hoher See aufzudecken und ihnen entgegenzutreten. Durch den Schutz der Artenvielfalt unserer fein ausbalancierten marinen Ökosysteme trägt Sea Shepherd dazu bei, dass sie für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Gründer und Präsident Captain Paul Watson ist ein weltberühmter und angesehener Anführer bei naturschutzrelevanten Themen und Problemen. Weitere Informationen finden Sie auf www.seashepherd.de

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Militanter Umweltaktivist Watson Nummer 007 in Haft

Von Julia Jüttner

  Paul Watson AP
Paul Watson gründete die radikale Umweltorganisation Sea Shepherd, wegen eines Extremeinsatzes wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Jetzt haben Polizisten den Ex-Greenpeace-Mann mit der Mitgliedsnummer 007 in Frankfurt festgenommen - auf dem Weg zu einem Treffen von Star-Trek-Fans.

Mit neun Jahren hat Paul Watson die Weichen gestellt. Er rächte den qualvollen Tod seines Freundes, einem Biber, der in eine Falle von Tierjägern geraten war. Wie besessen suchte er die anderen Fallen und zerstörte sie. Seither kämpft Watson unerbittlich für den Tierschutz, gründete erst mit anderen die Umweltorganisation Greenpeace, dann 1981 die Organisation Sea Shepherd.

Am Sonntag wurde Watson am Frankfurter Flughafen festgenommen. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls aus Costa Rica erließ das Amtsgericht Frankfurt am Montag eine sogenannte Festhalteanordnung gegen den 61-Jährigen. Das Oberlandesgericht Frankfurt müsse nun entscheiden, ob die Voraussetzungen für eine Auslieferung gegeben seien, sagte Günter Wittig, Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Vorerst bleibt der Umweltaktivist auf alle Fälle in Haft. Vor dem Gericht protestierten am Montag Sympathisanten mit Transparenten.
Watson wollte eigentlich zu einem Treffen von Star-Trek-Anhängern in Düsseldorf reisen. Der Grund, warum nach Watson gefahndet wurde, liegt knapp zehn Jahre zurück - und klingt, gemessen an seinen sonstigen Einsätzen, geradezu gewöhnlich.
  Ein Dokumentarfilmer begleitete den Sea-Shepherd-Chef damals vor der Küste Guatemalas bei seinem Kampf gegen das sogenannte Shark-Finning eines costaricanischen Schiffs. Umweltexperten zufolge werden etwa 73 Millionen Haie, die für das Gleichgewicht im Ökosystem Meer sorgen, pro Jahr getötet. Meist werden ihnen bei lebendigem Leib die Flossen abgehackt, in der chinesischen Küche gelten sie als Delikatesse. Verstümmelt werden die Tiere zurück ins Wasser geworfen, in dem sie qualvoll verenden.
Watson soll als "Chef-Steuerer" der "Ocean Warrior" das costaricanische Schiff "Varadero" blockiert, es mit einer Wasserkanone angegriffen und die Crew in Gefahr gebracht haben, sagt Wittig von der Generalstaatsanwaltschaft. Die "Varadero" sei daraufhin vom Kurs abgekommen.
Laut Sea Shepherd nahm nach der Attacke ein guatemaltekisches Kanonenschiff die Tierschützer ins Visier, die "Ocean Warrior" fuhr Richtung Costa Rica und stieß an Land auf weitere illegale Shark-Finning-Aktivitäten: Tausende von getrockneten Haifischflossen lagerten auf Dächern von Industriegebäuden.

"Der aggressivste, entschlossenste Verteidiger der Wildnis"

EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit setzt sich für eine Freilassung des gebürtigen Kanadiers ein und spricht von einer "absurden Situation": Paul Watson, mit dem er befreundet sei, sei in den vergangenen zehn Jahren in die USA, nach Kanada, Frankreich, durch ganz Europa gereist - ohne Probleme, weil Interpol den Haftbefehl außer Kraft gesetzt habe. "Die deutschen Behörden aber sagen, sie müssen sich nicht an Interpol orientieren", so Cohn-Bendit.
"Er kann es nicht fassen, dass er festgenommen wurde", sagte Watsons Anwalt Oliver Wallasch. "Er weiß, dass ihn in Costa Rica kein faires Verfahren erwartet, weil die Fischindustrie dort große Macht hat."
Laut Sea Shepherd werfen die costaricanischen Behörden Watson auch versuchten Mord vor. Die Crew des Schiffs habe die Aktivisten beschuldigt, sie töten zu wollen.
"Captain Paul Watson ist der wohl aggressivste, entschlossenste, aktivste und effektivste Verteidiger der Wildnis", sagte der kanadische Schriftsteller Farley Mowat einmal über den gebürtigen Kanadier, der innerhalb der vergangenen 40 Jahre mehr als 350 Aktionen durchgeführt hat. Das "Time Magazine" bezeichnete ihn 2000 als "Helden des 20. Jahrhunderts".
Mit der Friedensbewegung "Don't Make a Wave Committee" kämpfte er 1971 gegen einen amerikanischen Atombombentest, mit der "Greenpeace I" schipperten er und seine Begleiter mitten ins Testgebiet. Der Test wurde verhindert, die "Greenpeace I" kehrte einen Monat später nach Vancouver zurück, die Umweltorganisation Greenpeace formierte sich.
Watson war das achte Gründungsmitglied, weil Robert Hunter als erstes Mitglied die Mitgliedsnummer 000 wählte, bekam er die 007 zugeteilt.
Die Kollision wurde sein Kampfinstrument: 1972 brachte Watson das kleine Greenpeace-Boot "Astral" im Hafen von Vancouver auf Kollisionskurs mit dem französischen Hubschrauberträger "Jeanne D'Arc", bis der erst den Kurs änderte, dann gar stoppte.
1975 brachte Watson im Kampf gegen die sowjetische Walfangflotte sein Schlauchboot zwischen ein russisches Harpunenboot und einen Schwarm Pottwale. Eine weitere Begegnung im Leben Watsons, die eine Weiche stellte: Ein harpunierter Wal tauchte direkt vor Watson auf. Der Blick in die Augen des sterbenden Tieres habe ihn so bewegt, sagte er, dass er den Schutz der Wale und anderer Meerestiere in den Mittelpunkt seines rastlosen Kampfes stellte.
Auf einer Ebene mit Martin Luther King, Gandhi und dem Dalai Lama
Er stellte sich mit kleinen Booten großen Schiffen in den Weg, versperrte ihnen die Fahrt, um das Abschlachten von Robben zu verhindern. Und er wusste sich zu inszenieren: Mit prominenten Unterstützern lockte er die Medien, so posierte Brigitte Bardot 1977 vor der Küste von Labrador für Greenpeace.
Watsons radikale Art wurde manchen Aktivisten zu viel, 1977 trennte er sich von Greenpeace, die Organisation bezeichnete er später als "Wohlfühlunternehmen" und gründete im selben Jahr die Sea Shepherd Conservation Society - eine Organisation mit dem Ziel der Untersuchung und Dokumentation von Umweltverbrechen und der Durchsetzung der internationalen Umweltschutzgesetze. Er erwarb ein eigenes Schiff, um mit ihm die Robbenjagd im Osten Kanadas zu stören. Noch im selben Jahr rammte er sein Schiff in einem portugiesischen Hafen in einen Walfänger. Watson ist Seekapitän, keiner Reederei unterstellt und sagt, er trage für jede Aktion die volle Verantwortung.
Bereits 1992 hatte Norwegen ihn wegen des Untergangs eines Walfängers in Abwesenheit zu 120 Tagen Gefängnis verurteilt, 2010 hatte die japanische Justiz einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Bekannt ist Sea Shepherd vor allem für riskante Störmanöver und den alljährlichen Einsatz gegen die japanische Walfangflotte in der Antarktis. "Wir sind nahe dran, Japan endgültig aus dem Walschutzgebiet vor der Antarktis zu vertreiben", sagte Watson vor wenigen Monaten. Unlängst setzten seine Aktivisten erstmals eine Drohne ein, um Walfänger in antarktischen Gewässern zu orten. Das unbemannte Fluggerät war von der "Steve Irwin" gestartet.
Die Internationale Walfangkommission (IWC) entzog der Gesellschaft die Einstufung als Umweltschutzgruppe, nachdem Sea Shepherd sich 1986 zum Versenken von zwei isländischen Walfangbooten und zur Verwüstung einer Walfleisch verarbeitenden Fabrik im Hafen von Reykjavík bekannt hatte.
Auf seine aggressive Vorgehensweise angesprochen, sagte Paul Watson im November 2011 den "Kieler Nachrichten", er wolle die drei größten Vertreter gewaltlosen Vorgehens zitieren. "Martin Luther King hat geschrieben, Gewalt sei etwas, das sich gegen lebende Wesen richtet. Wir rammen Schiffe. Gandhi hat gesagt, gewaltloser Protest sei die strategisch effektivste Methode zur Erreichung politischer Ziele, aber wenn die einzige Alternative feiges Zurückweichen sei, würde er Gewalt wählen. Und der Dalai Lama, der uns unterstützt, hat mir eine Statue geschenkt, die Verkörperung der mitleidigen Seite des buddhistischen Zorns: Man tut niemandem weh, aber wenn jemand das Licht partout nicht sehen will, darf man ihm schon ordentlich Angst machen, bis er erleuchtet wird."
         

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